Aktuelle Mitteilungen

Hinweise auf neue Forschungsprojekte und Forschungsergebnisse, zu Veranstaltungen, neuen Publikationen und  Aktivitäten des IPP.

Pflegewissenschaftliche Studien im Überblick – Juni 2020

Besonders in Pflegeheimen kann sich die Influenza schnell verbreiten und somit Pflegende und Pflegeheimbewohner*innen beeinträchtigen. Wie das sogenannte Ausbruchsmanagement Bewohner*innen und Mitarbeiter*innen schützen kann, verdeutlicht Prof. Görres anhand drei pflegewissenschaftlicher Studien:
Australische Forscher*innen haben eine Studie veröffentlicht, in der Hindernisse bei der Umsetzung der australischen Richtlinie für das Ausbruchsmanagement bei Influenza in Pflegeheimen ermittelt wurden. Am häufigsten wurden folgende Hindernisse genannt: Skepsis gegenüber der Grippeimpfung seitens des Personals, der zeitliche Aufwand und die Mühe, um die Leitlinien zu lesen, sowie der Mangel an Räumlichkeiten, um die Bewohner*innen während eines Ausbruchs zu trennen.
Forscher*innen aus Italien haben in einer Studie das Verhalten und die Einstellung von Pflegepersonal gegenüber der Grippeschutzimpfung beschrieben und ihre Bedenken untersucht. Die Auswertung der Studie zeigte, dass nur wenige der teilnehmenden Pflegekräfte eine jährliche Grippeschutzimpfung in Anspruch genommen hatten. Außerdem wurde eine ablehnende Einstellung gegenüber einer jährlichen Grippeschutzimpfung beim Pflegepersonal und Bedenken bezüglich der Sicherheit dieser Impfung geäußert.
Ein australisches Forscherteam hat in einer Studie Faktoren untersucht, welche mit negativen Auswirkungen auf den Verlauf von Grippeausbrüchen in Pflegeheimen assoziiert werden. Die Analyse der Daten zeigte, dass eine frühzeitige Meldung des Influenzaausbruchs an die lokalen Gesundheitsämter und eine hohe Durchimpfungsrate bei den Pflegeheimbewohner*innen einen positiven Effekt auf den Verlauf von Grippeausbrüchen in Pflegeheimen hatte.

Görres, S. & Brunswieck, R. (2020). Influenza: den Ausbruch managen. 06/20, S. 26-27. Hannover: Vincentz Network.
Website: http://www.altenpflege-online.net/

Kontakt und Information:
Prof. Dr. Stefan Görres
Universität Bremen
Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP)
Sprecher Abt. 3: Interdisziplinäre Alterns- und Pflegeforschung Grazer Straße 4, 28359 Bremen
E-Mail: sgoerres@uni-bremen.de

Bremer Pflegewissenschaftler vom Institut für Public Health und Pflegeforschung im Interview

Die Misshandlungen in einem Celler Pflegeheim sind für den Bremer Gerontologen Stefan Görres kein Einzelfall. Er plädiert im Interview mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) für eine Kultur der Fehlerfreundlichkeit. Große Heime hält Stefan Görres für überholt.
„Es werden jeden Tag Fehler gemacht – überall“. Bremer Pflegewissenschaftler Stefan Görres im Interview mit Michael B. Berger. Hannoversche Allgemeine Zeitung, 02.07.2020, S. 8.

Kontakt:
Prof. Dr. Stefan Görres
Universität Bremen, Fachbereich 11 Human- und Gesundheitswissenschaften
Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP)
Sprecher Abt. Interdisziplinäre Alterns- und Pflegeforschung
E-Mail: sgoerres@uni-bremen.de
https://www.ipp.uni-bremen.de/abteilungen/interdisziplinaere-alterns-und-pflegeforschung/

Friedrich Schorb vom IPP der Uni Bremen im Radio Bremen-Interview zum Thema Gewichtsdiskriminierung

Ein Hotel in Cuxhaven teilt auf seiner Webseite mit, keine Buchungen von hochgewichtigen Gästen mehr zu akzeptieren. Aus diesem Anlass wurde Dr. Friedrich Schorb vom Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP) der Universität Bremen von Radio Bremen zu Gewichtsdiskriminierung befragt. Im Interview plädiert er für eine Erweiterung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG). Hören Sie den Beitrag unter:
https://www.butenunbinnen.de/audios/hotel-dicke-cuxhaven-100.html
Über den Diskriminierungsfall in Cuxhaven und die Reaktionen darauf von Friedrich Schorb und anderen wurde national und international berichtet. Anbei eine Auswahl an Pressmeldungen:

Merkur: Skandal in Cuxhaven: Hotel-Besitzerin will keine dicken Gäste beherbergen
https://www.merkur.de/welt/cuxhaven-hotel-gewichtsbeschraenkung-130-kilo-diskriminierung-vorwuerfe-zr-13789902.html

Nordkurier: Hotel vermietet keine Zimmer an Dicke
https://www.nordkurier.de/aus-aller-welt/hotel-vermietet-keine-zimmer-an-dicke-0539598706.html

Daily Mirror: Hotel owner bans overweight guests after one breaks bed and others 'can't fit in shower'
https://www.mirror.co.uk/news/world-news/hotel-owner-says-guests-weighing-22155703

Kontakt:
Dr. Friedrich Schorb
Universität Bremen
Fachbereich 11
Institut für Public Health und Pflegeforschung
schorb@uni-bremen.de
www.ipp.uni-bremen.de

Der Bremer Prof. Dr. Gerhardus nimmt in mehreren Interviews Stellung zu den getroffenen Maßnahmen

Der Corona- Ausbruch mit über 1500 Infizierten bei der Fleischfabrik Tönnies ist nach Einschätzung von Prof. Dr. Ansgar Gerhardus vom Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP) der Universität Bremen eine potentielle Gefahr für ganz Deutschland. In mehreren Medienbeiträgen nimmt der Bremer Gesundheitsforscher Stellung: Die Maßnahmen seien richtig, hätten aber eher eingeführt werden sollen. An dem Fall werde auch deutlich, dass tieferliegende Probleme, insbesondere im Umgang mit den Mitarbeiter*innen, der Tierhaltung und der Umweltbelastung dringend angegangen werden müssen.

 

Prof. Dr. Ansgar Gerhardus ist seit 2011 Hochschullehrer am Fachbereich 11 Human- und Gesundheitswissenschaften der Universität Bremen und hat die Professur für Versorgungsforschung inne. Ansgar Gerhardus ist Humanmediziner, Master of Public Health sowie Politikwissenschaftler/Ethnologe. Er ist Leiter der Abteilung Versorgungsforschung am IPP und gehört dem Direktorium des IPP seit 2011 an.

Kontakt
Prof. Dr. med. Ansgar Gerhardus, M.A., MPH
Abteilung 1: Versorgungsforschung – Department for Health Services Research
Institut für Public Health und Pflegeforschung
Fachbereich 11
Universität Bremen
Email: ansgar.gerhardus@uni-bremen.de
http://www.public-health.uni-bremen.de/pages/abteilung1/index.php
http://www.healthsciences.uni-bremen.de/home.html

Interview mit Prof. Dr.-Ing. Sabine Baumgart (IPP) im Weser Kurier zur Bedeutung städtischer Grünflächen

Grünflächen in der Stadt sind gut für die körperliche, seelische und mentale Gesundheit – das sagt Sabine Baumgart, Professorin für Stadt- und Regionalplanung. Besonders in Zeiten des Klimawandels und der Corona-Krise habe sich die Bedeutung von städtischem Grün gezeigt.
Prof. Dr.-Ing. Sabine Baumgart ist assoziiertes Mitglied der Abteilung Sozialepidemiologie des Institutes für Public Health und Pflegeforschung der Uni Bremen und Präsidentin der ARL - Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft. Sie befasst sich vor allem mit den Gesundheits- und Umweltaspekten bei der Stadt- und Raumentwicklung.

Lesen Sie das Interview von Jörn Hildebrandt im Weser Kurier vom 13.06.2020 unter:
https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-sabine-baumgart-gruenflaechen-bauen-seelische-spannungen-ab-_arid,1918149.html

Kontakt:
Prof. Dr. Gabriele Bolte
Abteilung Sozialepidemiologie
Institut für Public Health und Pflegeforschung
gabriele.bolte@uni-bremen.de

Interview mit Gesundheitswissenschaftlerin Tina Jahnel vom Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP)

Tina Jahnel vom Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP) der Uni Bremen hat im Weser Kurier ein Interview zu der Corona-Warn-App gegeben. Sie hat gemeinsam mit Kolleg*innen aus dem Kompetenznetz Public Health zu COVID-19 ein Hintergrundpapier zu Corona-Tracing Apps verfasst.

Um eine hohe Akzeptanz der App zu erreichen plädiert sie für Transparenz und ein hohes Datenschutzniveau. Lesen Sie den Beitrag von Helke Diers im Weserkurier vom 15.06.2020 unter:
https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-mit-der-warnapp-gegen-das-coronavirus-_arid,1918375.html

Zum Hintergrundpapier des Kompetenznetz Public Health zu COVID-19 „Contact-Tracing-Apps als unterstützende Maßnahme bei der Kontaktpersonennachverfolgung von COVID-19“:
http://www.public-health-covid19.de/images/2020/Ergebnisse/20200525_corona_apps_hintergrundpapier-4.pdf

Kontakt
Prof. Dr. med. Ansgar Gerhardus, M.A., MPH
Abteilung 1: Versorgungsforschung – Department for Health Services Research
Institut für Public Health und Pflegeforschung
Fachbereich 11
Universität Bremen
Email: ansgar.gerhardus@uni-bremen.de
http://www.public-health.uni-bremen.de/pages/abteilung1/index.php
http://www.healthsciences.uni-bremen.de/home.html

Tina Jahnel, M.A.
Abteilung 1: Versorgungsforschung – Department for Health Services Research
Institut für Public Health und Pflegeforschung
Fachbereich 11
Universität Bremen
Email: tina.jahnel@uni-bremen.de
Fon: +49(0)421-218 688 08
https://www.lsc-digital-public-health.de/home.html

Pflegewissenschaftliche Studien im Überblick – Mai 2020

Das Beleuchtungsniveau in den Innenräumen vieler Pflegeheime wird als eher niedrig eingestuft und demzufolge für die dort lebenden älteren Menschen als unzureichend angesehen. Die gegebenen Umweltbedingungen und altersbedingte physiologische Faktoren können den Biorhythmus, den Schlaf und die gesamte Stimmung der Bewohner*innen stören. Wie Licht eingesetzt werden kann, um den Schlaf und die Stimmung der Pflegeheimbewohner*innen zu verbessern, verdeutlicht Prof. Görres anhand drei pflegewissenschaftlicher Studien:
Forscher*innen aus der Türkei veröffentlichten eine Studie, in der die Auswirkungen einer Lichttherapie mit Sonnenlicht auf die Schlafprobleme und die Schlafqualität älterer Menschen in einem Pflegeheim untersucht wurden. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass der Aufenthalt im natürlichen Sonnenlicht sich positiv auf den Schlaf der Pflegeheimbewohner*innen ausgewirkt hat.
Eine Studie von Forscher*innen aus England und den Niederlanden untersuchte, wie sich eine Erhöhung des Innenlichtniveaus mit Blau angereichertem weißem Licht auf das Verhalten bei älteren Menschen in Pflegeheimen auswirkt. Die Studie konnte zeigen, dass mit Blau angereichertes Licht den Wachzustand zwischen Schlafbeginn und -ende sowie die Nachtaktivität erhöht. Außerdem wirkte sich das Licht positiv auf den Ruheaktivitätsrhythmus, die Tages- und Nachtaktivität, die subjektive Angst und die Schlafqualität aus.
Forscher*innen der Charité Universitätsmedizin Berlin veröffentlichten eine Studie, in der der Einfluss eines dynamischen Beleuchtungssystems auf Agitations- und Ruhezyklen bei älteren Menschen in Pflegeheimen untersucht wurde. Die Auswertung der Studie zeigte, dass die dynamische Beleuchtung insbesondere nicht köperbetonte aggressive Verhaltensweisen reduzierte.

 
Görres, S. & Gräf, C. (2020). Richtig Helle: Was Licht bewirkt. 05/20, S. 28-29. Hannover: Vincentz Network.
Website: http://www.altenpflege-online.net/

Kontakt und Information:
Prof. Dr. Stefan Görres
Universität Bremen
Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP)
Sprecher Abt. 3: Interdisziplinäre Alterns- und Pflegeforschung Grazer Straße 4, 28359 Bremen
E-Mail: sgoerres@uni-bremen.de

Abteilung Sozialepidemiologie führt eine partizipative Instrumentenentwicklung mit Förderung des Bundesministeriums für Gesundheit durch

Das Projekt DIVERGesTOOL („Toolbox zur Operationalisierung von geschlechtlicher Vielfalt in der Forschung zu Gesundheitsversorgung, Gesundheitsförderung und Prävention“) wird von der Abteilung Sozialepidemiologie des Instituts für Public Health und Pflegeforschung, Universität Bremen, gemeinsam mit Kooperationspartnerinnen der Humboldt-Universität zu Berlin und der Radboud Universität Nijmegen, Niederlande, durchgeführt. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Gesundheit bis 2023 gefördert.
Das Projekt hat das Ziel, auf der Grundlage aktueller biomedizinischer und gendertheoretischer Forschung eine anwendungsorientierte Toolbox zur Operationalisierung von geschlechtlicher Vielfalt für eine geschlechtersensible quantitative Gesundheitsforschung zu entwickeln. In enger Zusammenarbeit mit Stakeholdern von Hochschulen und Forschungsinstitutionen in Deutschland sollen sowohl ein allgemein nutzbarer Fragenkomplex für die Erfassung von Geschlecht in Gesundheitsstudien als auch bedarfsgerecht Aufbauinstrumente zur Berücksichtigung bestimmter Studienpopulationen und Fragestellungen entstehen.

Kontakt:
Prof. Dr. Gabriele Bolte
Sophie Horstmann
Abteilung Sozialepidemiologie
Institut für Public Health und Pflegeforschung
gabriele.bolte@uni-bremen.de
sophie.horstmann@uni-bremen.de

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Die SARS-CoV-2 Pandemie hat eine enorme öffentliche, politische, wirtschaftliche und soziale Reaktion hervorgerufen, - ein Public Health Thema ist zum fast allgegenwärtigen Hauptthema unseres Alltags geworden. Viele Wissenschaftler*innen und Lehrende im Gesundheitsbereich sind in Krisenbewältigung, in fachliche Beratung oder in neu aufgelegte wissenschaftliche Studien eingebunden. Bei der großen Dynamik in der Entwicklung der Krankheit und der gesellschaftlichen sowie politischen Reaktionen bleibt jedoch oft nicht genügend Zeit für Austausch und Diskussion. Hierfür bietet der WSP Gesundheitswissenschaften in Zusammenarbeit mit dem Zukunftsforum Public Health nun ein kurzfristig entwickeltes Online- Angebot zu ausgesuchten Themen rund um COVID-19 und Public Health. Aus dem Institut für Public Health und Pflegeforschung sind Prof. Benjamin Schüz, Prof. Ansgar Gerhardus, Prof. Karin Wolf-Ostermann und Prof.in Ingrid Darmann-Finck an der Veranstaltung beteiligt.

Veranstaltungszeiten: jeweils von 17:00 – 18:30

Der Hauptvortrag (ca. 30 min) steht jeweils 1-2 Tage vor dem Termin auf der Veranstaltungsseite als Videovortrag zum Download zur Verfügung. Zur Veranstaltung wird der Hauptvortrag zusammengefasst und durch zwei Kurzinputs ergänzt, anschließend erfolgt eine moderierte Online-Diskussion. ZOOM-Zugangslinks finden Sie auf den Veranstaltungsseiten.

24.06.2020 COVID-19: Strategien und ihre Implikationen
30.06.2020 Soziale Ungleichheit, Rassismus und COVID-19
07.07.2020 Applaus für die Pflege – tatsächlich eine Anerkennung?
14.07.2020 Gesundheitliche Risikogruppen - Stigmatisierungspotenziale und ethische Dimensionen


Veranstaltungsflyer

Nähre Informationen sind erhältlich unter http://www.healthsciences.uni-bremen.de/veranstaltungen/covid-19-und-seine-folgen.html

Kontakt:
Prof. Dr. Ingrid Darmann-Finck
University of Bremen
Faculty 11 Human and Health Sciences
Institute of Public Health und Nursing Reseach
Mail: darmann@uni-bremen.de
www.ipp.uni-bremen.de

Karin Wolf-Ostermann | Prof. Dr. Heinz Rothgang© Karin Wolf-Ostermann | © David Ausserhofer
Erste Ergebnisse eines Forschungsprojektes des IPP und des SOCIUM zu Herausforderungen für die Pflege in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie liegen vor

Autorin: Karla Götz, Pressestelle der Universität Bremen
Pressemeldung vom 10.06.2020

Pflegebedürftige gehören zu den am schwersten Betroffenen in der Corona-Krise. 60 Prozent aller Verstorbenen sind von Pflegeheimen oder Pflegediensten betreute Menschen. Deren Anteil an infizierten Personen beträgt aber nur 8,5 Prozent. Das ist Ergebnis einer Online-Befragung der Uni Bremen.

„Nicht nur pflegebedürftige Menschen sind bei einer Infektion mit dem SARS-CoV2-Virus in besonderem Maße von schweren Krankheitsverläufen und einer hohen Sterblichkeit bedroht“, sagt  Karin Wolf-Ostermann, Professorin für Pflegewissenschaft am Fachbereich 11 Human- und Gesundheitswissenschaften der Universität Bremen und Leiterin der Abteilung Pflegewissenschaftliche Versorgungsforschung am Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP), die die Studie geleitet hat. Gleichzeitig seien auch die sie versorgenden Pflegekräfte durch erhöhte Infektionsrisiken gefährdet. Sie könnten dabei ihre dringend notwendigen Dienstleistungen am Menschen häufig nicht unter Einhaltung der generellen Schutzmaßnahmen erbringen.

Unter welchen Bedingungen aktuell die Pflege im häuslichen Umfeld und in stationären Einrichtungen erbracht wird und welche Folgen der Pandemie dort wirksam sind, war bislang noch unbekannt. Um die Situation zu analysieren, hat eine Forscher*innengruppe unter Leitung von Pflegeprofessorin Karin Wolf-Ostermann vom Institut für Public Health und Pflegeforschung und Gesundheitsökonom Professor Heinz Rothgang vom SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik gemeinsam mit einem siebenköpfigen Team eine bundesweite Online-Befragung in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen durchgeführt. Befragungsdaten von 824 Pflegeheimen, 701 Pflegediensten und 96 teilstationären Einrichtungen wurden dabei analysiert.

Pflegebedürftige und Pflegende häufig von COVID-19 betroffen

Sowohl in häuslicher als auch in stationärer Versorgung gibt es laut Studie starke Auswirkungen auf Pflegebedürftige. „Werden die Befragungsergebnisse auf die Bundesrepublik hochgerechnet, zeigt sich, dass rund 60 Prozent aller Verstorbenen von Pflegeheimen oder Pflegediensten betreute Pflegebedürftige sind, wobei deren Anteil an allen infizierten Personen nur insgesamt 8,5 Prozent beträgt. Pflegeheime sind damit der wichtigste Ort in Bezug auf mit COVID-19 Verstorbenen. Hier treten die Hälfte aller Todesfälle auf, obwohl nur knapp ein Prozent der Bevölkerung in dieser Wohnform lebt. Die Sterblichkeit unter Pflegebedürftigen ist somit mehr als fünfzigmal so hoch wie im Rest der Bevölkerung“, sagt Professor Heinz Rothgang.

Hohe Infektionsraten zeigten sich auch für das Pflegepersonal. Der Anteil infizierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sei in ambulanten Pflegediensten doppelt so hoch wie in der Normalbevölkerung, in stationären Einrichtungen sogar sechsmal so hoch, so die Autor*innen der Studie. Dennoch hätten drei Fünftel der Pflegedienste und drei Viertel der Pflegeheime noch keinen COVID-19-Fall zu verzeichnen. Dies zeige, dass Schutzmaßnahmen bisher erfolgreich sind. Dort, wo eine erste Infektion auftrete, seien die Folgen jedoch schnell gravierend. Deshalb müssten das Einschleppen erster Infektionen konsequent vermieden werden und Schutzkonzepte die Verbreitung unter den Pflegebedürftigen und Mitarbeitenden verhindern.

Schnelle Testungen und Schutzmaterialien nicht ausreichend verfügbar

Dass eine Eindämmung der Infektion möglich ist, zeigen die Infektionen von Mitarbeitenden und Pflegebedürftigen: So weisen jeweils mehr als die Hälfte der Einrichtungen mit infizierten Mitarbeitenden keine infizierten Klient*innen oder Bewohner*innen aus. Schlüssel hierbei sind allerdings schnelle Testergebnisse zur Identifikation von potenziellen Infektionsherden und ausreichende Schutzmaterialien zur Vorbeugung der Übertragung, mahnen die Autoren. Wenngleich die anfangs mangelnde Versorgung mit Schutzmaterialien an Bedeutung verloren hat, berichten immer noch jeder vierte Pflegedienst und jede sechste stationäre Einrichtung von diesbezüglichen Engpässen. Zudem seien Tests teilweise noch schwer zugänglich. „Die Übermittlung der Ergebnisse erfolgt erst nach drei bis vier Tagen – zu spät, um ihr Potential als Teil eines wirkungsvollen Schutzkonzeptes voll zu entfalten“, so Karin Wolf-Ostermann. Erforderlich sind daher Reihentests, deren Ergebnisse schneller zur Verfügung stehen.

Instabile Pflegearrangements gefährden Versorgungssicherheit

Im Hinblick auf die quantitative Versorgung berichtet knapp die Hälfte aller Pflegedienste von deutlichen Veränderungen, die dadurch entstehen, dass Leistungen von den Pflegebedürftigen nicht mehr in Anspruch genommen werden und teilstationäre Angebote oder Betreuungskräfte in den Haushalten nicht mehr zur Verfügung stehen. Dies führt dazu, dass einerseits vier von zehn Pflegediensten unter wirtschaftlichen Folgen zu leiden haben und andererseits die Versorgung von Klientinnen und Klienten gefährdet, instabil oder sogar aktuell nicht sichergestellt ist. Hier besteht dringender Unterstützungsbedarf, der zu einer Stabilisierung der oft äußerst fragilen privaten Pflegearrangements und somit zur Sicherstellung einer ausreichenden Versorgung im häuslichen Bereich erforderlich ist.

Dauerhaftes Schutzkonzept als pflegepolitische Konsequenz

Der Langzeitpflege durch ambulante Pflegedienste und in stationären Einrichtungen muss – auch mit Blick auf eine mögliche zweite Welle der Pandemie – eine höhere Aufmerksamkeit zukommen, so das Fazit von Professorin Wolf-Ostermann und Professor Rothgang. Richte sich der Blick von Politik und Öffentlichkeit im medizinische und pflegerischen Bereich derzeit vornehmlich auf Kapazitäten einer klinischen und intensivmedizinischen Versorgung der akut Infizierten, werde die dauerhafte Versorgung der am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppe zunehmend prekärer. Während in stationären Langzeitpflegeeinrichtungen sehr schnell Hotspots der Erkrankung entstehen können, da viele hochbetagte und multimorbide Menschen auf engem Raum leben, werden ambulante Versorgungssituationen destabilisiert. Damit sei die tägliche Versorgung der Pflegebedürftigen gefährdet.

Fazit

Und das schlussfolgern die Bremer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler: Um über die akute Pandemiesituation hinaus Versorgungssicherheit gewährleisten zu können, muss den Forderungen der Pflegedienste und stationäre Einrichtungen nachgekommen werden. Dazu gehören bundesweite und praktikable Handlungsempfehlungen, eine dauerhafte ausreichende Bereitstellung von Schutz- und Desinfektionsmitteln, die systematische und regelmäßige Testung von Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Personal, sowie eine bessere Vergütung der Pflegekräfte und eine bessere Personalausstattung.

Fragen beantworten:

Prof. Dr. Karin Wolf-Ostermann
Pflegewissenschaftliche Versorgungsforschung am Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP)
Universität Bremen
Tel.: +49 421 218-68960
E-Mail: wolf-ostermann@uni-bremen.de

Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Zentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Universität Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de